Zoll warnt vor lebensgefährlichen Schlankheitspillen
03.06.2006
Zollfahnder sind einem groß angelegten Schmuggel mit lebensgefährlichen Schlankheitspillen aus Asien auf die Spur gekommen. Seit Jahresbeginn wurden im Bundesgebiet mehr als eine Million Kapseln beschlagnahmt, teilte das Zollamt Frankfurt am Main am Freitag mit. Bundesweit ermitteln die Beamten in 60 Verfahren wegen verbotener Einfuhr zulassungspflichtiger Arzneimittel. Abgesetzt werden die so genannten „LiDa“-Präparate den Angaben zufolge sowohl über das Internet als auch über ein deutschlandweites Verteiler-Netzwerk.
Auf dem deutschen Markt werden die Pillen laut Zoll als höchst wirksame Appetitzügler und Schlankmacher angepriesen. Die Ermittlungen ergaben, dass den Konsumenten die Gefährlichkeit der Kapseln in der Regel nicht bekannt war. Die „LiDa“-Präparate enthalten den Angaben zufolge einen gefährlich hohen Anteil des chemisch-synthetischen Wirkstoffs Sibutramin. Die zahlreichen Nebenwirkungen wie etwa Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Beschwerden können für Konsumenten lebensgefährlich sein.
Weitere Produkte mit gleichen Inhaltsstoffen werden dem Zoll zufolge im Internet angeboten unter den Bezeichnungen „Miaozi“ und „Darling Tian Ran Jian Fei“ als Kapseln sowie „Li Da Lidameiticha Meizi Tea“ als Tee. Die Fahnder stießen bei ihren Ermittlungen auf ein Internetforum, in dem verzweifelte Konsumenten von erheblichen Nebenwirkungen der Präparate berichteten und aufgrund eigener Erfahrungen eindringlich vor deren Einnahme warnten. Nach Erkenntnissen der Ermittler bestellen die illegalen Händler die gefährlichen Schlankmacher in Asien und versuchen, sie vor allem auf dem Postweg als Geschenksenkung deklariert nach Deutschland einzuschmuggeln – derzeit überwiegend über den Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt.
Die Nachforschungen ausgelöst hatten Zollbeamte, die bei der Kontrolle von Postsendungen auf die illegalen Arzneimittel gestoßen waren. Fahnder durchsuchten daraufhin Wohnungen in Rheinland-Pfalz, Hessen, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Zoll nach eigenen Angaben rund 125.000 der gefährlichen Kapseln beschlagnahmt – allein in den ersten Monaten dieses Jahren stieg die Zahl der sichergestellten Präparate auf das Achtfache.
Die nicht zugelassenen „LiDa“-Präparate weisen den Angaben zufolge einen deutlich erhöhten Sibutramin-Gehalt von 26,4 Milligramm pro Kapsel auf. Der Wirkstoff ist zwar auch in für den deutschen Markt zugelassenen Arzneimitteln enthalten, jedoch lediglich mit einem Anteil zwischen zehn und 15 Milligramm pro Kapsel. Diese zugelassenen Präparate dürfen zudem nur unter strenger ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. /afp
Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom 2.06.2006